Andacht für den 03. Mai 2020 – Friedrich Henoch (Rastede)

 

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Vom Segen des Gebets

„Wenn du beten willst, dann gehe in dein Zimmer“,
so empfiehlt es Jesus in der Bergpredigt.

Seit dem 15. März haben wir uns an diese Ermahnung gehalten. Keine öffentlichen Gottesdienste gab es seitdem, nicht weil Jesus es geboten hat, sondern weil der Gesetzgeber dieses der Kirche Jesu Christi verordnet hat:

„Wenn du beten willst, dann gehe in dein Zimmer.“

Manche Menschen haben das beklagt und sogar gegen diese Anordnung geklagt. Andere wiederum haben durchaus Verständnis dafür gezeigt, dass es angesichts der Corona-Pandemie angemessen ist und für den Glauben nicht abträglich, wenn auf das öffentliche Gebet verzichtet wird.

Warum sollten wir gegen die Einstellung der öffentlichen Gottesdienste klagen? Denn Jesus sagte schon:

„Wenn du beten willst, dann gehe in dein Zimmer.“

Wie ist das eigentlich mit dem Gebet in den eigenen vier Wänden? Folgen wir noch dem Gebot Jesu? Nehmen wir uns Zeit –zuhause – in der Stille – vor Gott zu treten, die Hände zu falten, das eigene Herz vor Gott auszuschütten, ihn für das Leben zu danken und das Leben mit seinen Sorgen und Freundlichkeiten Gott ans Herz zu legen? Ich glaube mehr Menschen als wir ahnen, beten zuhause, im stillen Kämmerlein. Denn es tut uns gut, wenn wir uns Zeit gönnen, dort, wo wir zuhause sind, mit Gott ins Gespräch zu kommen und im Gebet das Leben Gott anzuvertrauen. Das entlastet und schenkt Kraft.

„Wenn du beten willst, dann gehe in dein Zimmer.“

Die Ermahnung Jesu erinnert uns daran: Beten ist etwas sehr Intimes. Es geht um Gott und meine persönliche Beziehung zu ihm, es geht um das, was ich Gott zu sagen habe und vor allem darum, was Gott mir zu sagen hat. Beim Beten geht es nicht darum, dass Menschen mich in meiner Frömmigkeitsausübung sehen, was andere über mich denken und zu mir sagen. Es geht um mein Gespräch mit Gott, ums Reden und vor allem ums Hören, dass ich mein Herz für Gott öffne.

Glaube hat seinen primären Sitz in der Privatsphäre und nicht in der Öffentlichkeit.
Interessant ist, dass wir als Kirche Jesu Christi, obwohl Jesus etwas Anderes empfiehlt, öffentliche Gottesdienste feiern und vor den Augen der Menschen Gottes Namen anrufen und ihn loben und preisen.

Was haben wir für einen Gewinn davon?
Warum brauchen wir öffentliche Gottesdienste?

Ich glaube, es tut unserer Seele gut, wenn wir spüren: Wir sind mit unserem Beten nicht alleine. Da sind andere die mit uns Gott anrufen und sich nach seinem Wort sehnen. Insofern freue ich mich darauf, wenn wir wieder gemeinsam Gottesdienst feiern können, damit wir in der Gemeinschaft der Glaubenden uns stärken lassen in der Freude an Gott und in der Liebe zu den Menschen.
Darüber hinaus tut es uns auch hin und wieder ganz gut, wenn wir auch in Glaubensfragen nicht immer nur in den eigenen Gedanken schwelgen. Wir brauchen auch das Wort, das von außen kommt, dass unsere eigenen Gedanken anregt, bereichert, das uns weiter bringt. Dazu boten und bieten hoffentlich bald wieder öffentliche Gottesdienste Gelegenheit.

Wenn ich die letzten Wochen Revue passieren lasse, dann bin ich ganz dankbar. Die Kirche ist größer geworden. Das digitale kirchliche Angebot ist geradezu explosionsartig gewachsen. Was für ein Frühlingserwachen in der Kirche.

Wer aufmerksam hingehört und zugeschaut hat, hat auch dort, im Internet, im Fernsehen, vor dem Radio das eine oder andere hilfreiche Wort für seine Seele finden können und ganz neu gespürt, Gott spricht zu mir.

Ihr Pastor Friedrich Henoch

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