Andacht für den 05. Mai 2020 – Sygun Hundt (Apen)

 

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Sehnsuchtsorte

Da hatte ich doch Urlaub geplant im Wonnemonat Mai. Eine Städtetour nach Kopenhagen – aber die Dänische Grenze ist dicht. Ach ja und die Fahrt mit dem Schiff auf den Holländischen Flüssen – abgesagt.

Manch einer mag viel exotischere Orte der Sehnsucht für den Urlaub dieses Jahr geplant haben, aber aus Vielem wird nichts werden. Herausgeworfen aus unseren Planungen und Hoffnungen sind wir dieses Jahr.

Aber trotzdem ist er da, der Urlaub – und er wird genommen – aufsparen gilt nicht. „Wenn der weiße Flieder wieder blüht, sing ich dir mein schönstes Frühlingslied“. Das Lied von Richard Tauber, interpretiert von Max Raabe, bringt mich jetzt Anfang Mai auf die Spur von Sehnsuchtsorten – ganz nah – ganz anders – von jedem erreichbar und wunderschön.

„Frühling, Frühling wer dich liebt wie ich – Frühling, Frühling, Frühling voll Glück erwart‘ ich dich“.

Er ist wieder da; der Frühling. Die Natur entwickelt ihre ganze Stärke. Grün stehen sie da, die Bäume. Blau strahlt der Himmel über uns. Wolken ziehen ihre Wege. Rosa strahlende Wolken entdeckt man am Abendhimmel.

Das Leben atmet und ist durchflutet mit Energie und wir dürfen die Schönheit und das besondere Licht genießen.

Max Raabe singt: „Ich brauch die Sonne um glücklich zu sein“.

„Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt“ (Jes. 6.3), rufen himmlische Wesen.

Und auch Jesus bindet in seine Verkündigung immer wieder Naturbeobachtungen ein. Er lenkt unseren Blick auf die Vögel unter dem Himmel (Mt. 6,20) oder auf die Samenkörner (Mk 4,26). Er vergleicht Menschen mit Schafen, die von ihrem Hirten umsorgt werden (Lk 15,6) und sich selbst mit dem Licht (Joh. 8,12).

Gerade wenn uns nicht nur nach singen zumute ist kann die Erde, auf der wir leben, mit ihrer Schöpfungsmelodie unsere Sinne erreichen. Schaut deswegen hin und entdeckt die Sehnsuchtsorte in Formen und Farben der Natur. Atmet tief durch und tankt die wohlriechende Luft des Flieders. Hört auf die Schöpfung, die uns das Heil Gottes predigt. Und das nicht nur an fremden Orten, sondern hier vor unserer Haustür.

Lasst uns neue Sehnsuchtsorte entdecken! Die Radtour durch die Löwenzahnwiesen, das Picknick am Tief, wo wir den Kuckucksruf hören, die Freude über den Blütenschnee eines blühenden Apfelbaums.

Hinsehen und zuhören sind gefragt, um neue Sehnsuchtsorte für unsere Leben zu entdecken.

Dann können wir einstimmen in den Ruf: „Von Gottes Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt“.

Gott gibt uns Zeichen für seine Gegenwart. Lasst sie uns erkennen, denn das gibt dem Leben und Denken Sinn und Richtung.

Das Kreuz, das uns Christen miteinander verbindet und auf die Versöhnung von Gott und Menschen und der Menschen untereinander hinweist ist auch ein Sehnsuchtsort. Es ist das Symbol für die unendliche Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen.

Gottes Gegenwart beschränkt sich nicht nur auf den Himmel, sondern erstreckt sich auf seine ganze Schöpfung. Seine Lieben spüren nicht nur die Engel, die “Heilig, Heilig, Heilig“ rufen, auch für uns Menschen ist diese Liebe immer und überall spürbar. Er ist da. Lasst eure Dankbarkeit Kreise ziehen, damit wir neu in Bewegung kommen, neue Sehnsuchtsorte und Möglichkeiten der Anteilnahme an Menschen ausprobieren.

Ob in den kommenden Wochen auch unsere Gottesdienste zu Sehnsuchtsorten werden um Gemeinschaft zu erleben und auf Gottes gute Botschaft für unser Leben zu hören? Mal sehen, wie wir menschliche Nähe in gesundem körperlichen Abstand wiederherstellen.

Ihre Pastorin Sygun Hundt

 

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