Andacht für den 11. Mai 2020 – Malte Borchardt (Westerstede)

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Tun, was dran ist

Singet dem Herrn ein neues Lied! (Ps 98,1)
Tu, was dir vor die Hand kommt; denn Gott ist mit dir. (1. Samuel 10,7)
Der Herr aber wird dir in allen Dingen Einsicht geben. (2.Timotheus 2,7)

Die Gärten stehen in schöner Blüte – alles scheint friedlich – ja ausgelassen.
Mancher von uns hat die Losung in die Tat umgesetzt, Arbeiten, schon lange vor sich her geschoben, wurden erledigt oder stehen kurz vor der Fertigstellung.
Die Welt scheint wieder halbwegs in Ordnung – nur sie ist es nicht. Gewohnheiten – Freunde zu besuchen – Essen zu gehen – gar Urlaub – unrealistisch.
Eine unwirkliche Situation in der dem Auge sich anbietenden schönen heilen Welt. Stimmen werden laut, rufen: Normalität! Ich kann nichts sehen – also ist auch nichts da!

Der Mensch sieht, was vor Augen ist, – es ist doch alles in Ordnung – wir leben – wir wollen so leben wie immer.
Alles ist in Ordnung! Wirklich?
Wer so denkt und handelt, sieht nur sich selber – ich kann nichts sehen – ich will nichts sehen – also ist auch nichts!

Am Ostermorgen und in den Tagen danach – war für viele genau die gleiche Situation – die Welt hatte sich seit Karfreitag weitergedreht – alles war so wie immer.
Der Mensch sieht, was vor Augen ist – die ganz andere Wirklichkeit Gottes will oft nicht erkannt werden, da unbequem, aufrüttelnd – Verantwortung schaffend, aus der wir nicht herauskommen.
Jetzt gilt es, Schritt für Schritt voranzugehen – das Naheliegende zu tun ohne sich einem Wunschdenken von hätte, könnte, möchte hinzugeben.
In dieser Verantwortung stehen wir alle füreinander und miteinander vor Gott.

Die Einschränkungen sind gewiss lästig – verlangen vielen von uns oft mehr ab, als wir meinen, tragen zu können – all das stimmt!
Weg damit – zurück in die Normalität!
Dieser Weg würde uns gewiss zurückwerfen, nur dahin, wohin wir alle wirklich nicht wollen.

Einsicht in das Notwendige – die eigenen Wünsche zurückzustellen – bedeutet, sich seiner Verantwortung zu stellen und versuchen, ihr gerecht zu werden.
Wie sollen wir das angehen – wie sollen wir das alles schaffen – die Familie – ich selber – dazu der Beruf – die finanziellen Belastungen – die Sorge um das Morgen – um den Arbeitsplatz und vieles mehr.
Diese Belastungen sind da. Der Berg scheint immer größer zu werden – der steile Anstieg nie aufzuhören.
Woher die Kraft nehmen?

Tu, was dir vor die Hände kommt ,.. schön und weiter so bin ich doch nur der Hamster im Hamsterrad.
Nein, wir, Sie und ich, sind mehr – kein Hamster in einem Käfig eingesperrt, denn der Herr ist mit dir!

Diese Sicherheit – diese Hoffnung der Geborgenheit ist uns durch die Taufe zugesprochen – nur ich muss auch bereit sein, diese zu sehen in meiner Wirklichkeit, in meinem Leben, in dem doch allzu Vertrauten, dem scheinbar Alltäglichen.

Es gibt jeden Tag schöne Dinge zu entdecken – drei finden wir immer, wenn wir bereit sind, diese auch zu entdecken in meinem Alltag und eben nicht – da so vertraut – mit geschlossenen Augen durch diesen Alltag zu gehen – „kenn ich schon!“ – „weiß ich schon!“ zu denken, die Augen kann ich geschlossen lassen.

Wer so denkt, ähnelt dem Mann, der in die Hölle gerät, nach einiger Zeit wieder herausfindet und gefragt wird: „Na, wie war es?“ antwortet: „Heiß!“
Jeden Tag können wir schöne Dinge entdecken und diese unseren Belastungen entgegenhalten. Das und das mag mir die Kraft rauben, mich an meine Grenzen bringen – gewiss sie sind da diese Lasten, aber dies und das war heute schön – der Anruf bei einem Freud – dem Partner – der Partnerin – der freundliche Gruß an der Kasse. Diese kann ich nur wahrnehmen, wenn ich dafür Danke sage – Gott Danke sage.

All dies als Geschenke zu erkennen, wenn nicht, ähneln all diese schönen Kleinigkeiten als ungewollte, unerkannte Flugblätter – achtlos weggeworfen.

Tu, was dir vor die Hand kommt; denn Gott ist mit dir.

Der Herr aber wird dir in allen Dingen Einsicht geben.

Ihr Pastor Malte Borchardt

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