Andacht für den 15. Mai 2020 – Daniela Ludewig-Göckler (Petersfehn)

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Mit anderem Blick

Immer wieder gibt es für mich in dieser besonderen Zeit der Krise neue Blickwinkel auf das Leben, die Menschen und auch Gott. So schob ich neulich im Supermarkt zielstrebig meinen Wagen durch die Gänge. Mein Blick suchte in den Regalen über den Maskenrand hinweg nach bestimmten Produkten. Zwischendurch hob ich die Augen, um zu sehen, ob ich hinter einer anderen Maske vielleicht jemanden erkenne.So um mich schauend, kam bei mir die Frage auf, was man eigentlich gerade von meinem eigenen Gesicht sieht, außer meiner Sternchenmaske. Vor allem sind natürlich die Augen zu sehen, ein schmaler Streifen, fast wie im Tatortvorspann. Doch was sagen meine Augen, die über die Maske hinweg blinzeln? In Augen ist ja viel zu erkennen, wie Offenheit, Tränen für Traurigkeit, ein Leuchten vor Freude, ein Blitzen für eine Idee oder auch Müdigkeit. Und doch sieht man mit den Augen eben gerade immer wieder nur einen Teil unseres Gesichtes, sei es im Supermarkt, beim Bäcker oder nun auch in den Gottesdiensten! Wir sehen keinen Mund der uns freundlich anlächelt oder Lippen die sich zusammenkneifen. Vieles vom Gesicht bleibt bedeckt und damit auch manche Gefühle verborgen. Die Augen erhalten so über das eigentliche Sehen hinaus gerade einen noch größeren Wert.

Kontaktaufnahme ist um so mehr über einen freundlichen Blick möglich, wenn wir uns nicht mehr die Hände geben können und auf Abstand bleiben. Ich kann auch

zwinkern, mit den Augen rollen oder in Verbindung mit einem Blick die Stirn runzeln. Ich schaue andere Menschen bewusster an und frage mich: Was möchte ich mit meinem Blick sagen und was erkennt mein Gegenüber in meinen Augen? Wie schaffe ich es meinem Gegenüber, auch mit Maske, freundlich und offen zu begegnen? Welche Sorgen und Freude lese ich in den Augen von Anderen und wie kann ich darauf mit einem Blick oder auch Worten reagieren?

Doch unabhängig von dem, wie wir Menschen uns untereinander ansehen gilt: Gott schaut uns freundlich an! In seinen Augen ist jeder und jede von uns unendlich wertvoll und er beschützt uns. Ja, wie heißt es in den schönen Worten aus dem Alten Testament über Gott und Jakob: „Er behütet ihn wie einen Augapfel!“ So sind wir bei Gott geborgen in dieser Zeit – mit unserem sorgenvollen Blick und der Freude in unseren Augen. Und wenn die Angst zu groß wird, der Kummer zu drückend, die Einsamkeit schwer, dann können wir mit Worten aus Psalm 121 beten: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“

Mit einem freundlichen Blick grüßt
Ihre Pastorin Daniela Ludewig-Göckler

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