Andacht für den 17. Mai 2020 – Tessen von Kameke (Zwischenahn)

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Vom Beten

Drei Viertel der Menschen in Deutschland beten. Hätten Sie das gedacht? Ist aber in zig Umfragen immer wieder bestätigt worden, zuletzt 2017. Nur ein Viertel betet nie. Ein Viertel betet selten, nur 1-2x im Jahr; jeder zweite betet öfter mal, manche ganz regelmäßig.

beten-online.de hat Millionen Zugriffe im Jahr, auf amen.de sind 3½ Mio Gebete online gestellt.

Warum eigentlich?

Ja wohl nicht, weil es sich lohnt. Klar, dazu gibt es beeindruckende Geschichten von Gebetserhörungen, Heilungen, Wundern. Keine Frage. Aber genauso viele Geschichten könnten doch vom Gegenteil erzählen.

Warum also? Was bringt das?

Warum bete ich eigentlich?

Seitdem wir im Ausland waren bete ich ganz oft am Tag. Irgendwann kam das – und hat mich nicht mehr verlassen. Immer wieder kommt’s mir in den Sinn: „Danke, Gott, dass du mich geführt hast.“ Oder – auch öfter: „Verzeih, was ich schon wieder für einen Mist gemacht habe.“

Keine Ahnung, was ich mir davon verspreche. Aber es begleitet mein Leben.

Mahatma Gandhi, die große Seele Indiens, hat mal gesagt: „Beten ist nicht bitten. Beten ist das Sehnen der Seele.“ Da hat er vielleicht recht.

Ich bete gar nicht, um was zu bekommen, sondern viel eher, um mich in Gottes Licht zu stellen. Die Perspektive zu wechseln. Und das, was ich erlebe, nicht nur mit mir abzumachen, sondern Gott dazu einzuladen dabei zu sein. Mir gefällt das, dass Gott irgendwie dabei ist.

Ich muss dann gar nicht viel sagen. Gott weiß ja eh, was ich brauche, noch bevor ich ihn bitte. Hat er gesagt in Matthäus 6,8.

Im Gegenteil, manchmal höre ich auch nur hin. So wie Sören Kierkegaard schreibt: „Je intensiver ich betete, desto mehr wurde ich zum Hörenden.“ Auch das gefällt mir. Gar nicht von sich aus reden, sondern umgekehrt: Die Welt mal von Gott her hören!

Manchmal stellt sich das ein, wenn ich gar nicht viel nachdenke beim Beten, wenn ich beim 20-Sekunden-Händewaschen das Vaterunser spreche – die Vikarin aus Wiefelstede, Lina Kohring, hat mich in ihrer Andacht für den 19. April drauf gebracht. Super Idee, finde ich. Darauf zu hören, was einen dann „erreicht“, öffnet neue Welten. Ich glaube, so nehmen wir Gott wahr.

Heute ist der Sonntag Rogate. „Betet!“ heißt das. Ein guter Anlass, das mal auszuprobieren. Mit dem Vaterunser beim Händewaschen vielleicht. Oder mit einem Dank. Oder mit einem Wunsch für jemanden, dem es nicht so gut geht.

Oder mit dem Wochenspruch für heute aus Psalm 66:

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

Ihr Pastor Tessen von Kameke

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