Andacht für den 18. Mai 2020 – Friedgard Möllmann (Wiefelstede)

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Neues vom Tröster

Die Tageslosung für den heutigen 18. Mai lautet:

Jesus spricht: „Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Johannes 14, 26)

Diese Worte Jesu, die heute unsere Gedanken leiten sollen, hat Jesus vor seinem Leidensweg zu seinen Jüngern gesprochen. Bevor Jesus gefangengenommen und gekreuzigt wird, spricht er Worte des Abschieds. Er bereitet die Seinen darauf vor, dass er selbst bald nicht mehr körperlich bei ihnen sein kann. Alles wird sich ändern, nichts bleibt so, wie es war.
Kennen wir das nicht auch? Wenn sich jemand verabschiedet, der uns lieb ist, sind wir traurig. Das ist nicht nur so, wenn es ein Abschied für einen überschaubaren Zeitraum ist. Wie viele Tränen mögen in den letzten Wochen geflossen sein, weil wir unsere Lieben nicht besuchen, nicht sehen durften. Wir wissen mit dem Verstand, dass es nötig war und ist, aber im Herzen ist es schwer auszuhalten. Und noch viel mehr geht es uns so, wenn wir einen Abschied für immer erleben, wenn jemand stirbt, der uns wichtig ist.

Wer kann mich trösten, wenn ich traurig bin? Wo finde ich Trost, wenn ich nach einem Abschied alleine bin?

Jesus tröstet seine Jünger damals und verspricht auch uns heute Trost. Er deutet hier schon an, was wir am Pfingstfest wieder feiern werden:
Der Heilige Geist wird von Gott geschickt, damit wir einen Tröster in unserem Leben haben, einen Beistand in schweren Zeiten. Auf geheimnisvolle Weise ist Gott so selbst bei uns gegenwärtig.

Wie aber tröstet uns der Geist Gottes? Wie steht er uns bei? Wie spüren wir, dass Gott bei uns ist?

Der Geist wirkt in uns, indem er – wie Jesus hier sagt – uns alles lehrt und an alles erinnert, was Jesus gesagt hat. „Erinnern“ – das ist ein schönes Wort. „Weißt du noch?“ sagen wir zueinander, und schon können gute Erinnerungen wach werden. Manchmal werden Erinnerungen auch durch einen Duft, durch Musik, durch einen Anblick ausgelöst. Alle Sinne können beteiligt sein. Und plötzlich sind die vergangenen Erlebnisse wieder da und erfüllen die Gegenwart.

Wenn wir uns an Jesus erinnern, finden wir also Trost und Beistand? Wie kann das gehen?
An Jesus, in seinem Leben, Sterben und Auferstehen, in seinem Schicksal sollen und dürfen wir unser eigenes Leben, unser eigenes Schicksal sehen. In seinem Leiden sollen und dürfen wir unser eigenes Leiden sehen, in seinem Sterben unser eigenes Sterben, in seinem Tod unseren eigenen Tod, und in seiner Auferstehung unsere eigene Zukunft, die Vollendung und Erfüllung unseres Lebens. Wenn das kein Trost ist!

Und so ist es die Aufgabe, die Gott selbst, der Heilige Geist, unaufhörlich in uns verrichtet, unsere Gedanken und Gefühle auf Jesus hin auszurichten, uns alles zu lehren und uns an alles zu erinnern, was Jesus für uns bedeutet.
In diesem Sinne brauchen wir Christen für uns selbst nur eines von Gott zu erbitten: dass sein Heiliger Geist auch uns trösten und uns beistehen möge.

Ihre Pastorin Friedgard Möllmann

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