Ammerländer Impulse

Vergleiche

Ein Mensch sitzt vor‘m Kamin und denkt über sein Leben nach. Was gewesen ist. Wo er jetzt steht. Was er sich erarbeitet hat. Aber auch: Was ihm Gutes geschehen ist. Was ihm an Fügung widerfahren ist. Was ihm geschenkt wurde. Und das ist viel.

Der Mensch ist dankbar. Und er spürt es in sich. Wie gut sich letztlich alles doch gefügt hat, dass er zurückblicken kann auf ein gelungenes Leben – und auf die Annehmlichkeiten, die es jetzt für ihn bereithält. Das bewegt ihn.

Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Deshalb spricht er Gott an und sagt: „Danke. Danke für diesen Weg. Dass du mich sicher geführt und geleitet hast, dass ich nicht auf Abwege geraten bin. Dass ich hier angekommen und nicht falsch abgebogen bin. Aus mir hätte unter anderen Bedingungen ja auch was ganz anderes werden können: Ein Getriebener, Griesgrämiger, Heuchler; oder vielleicht ein Bettler oder Verbrecher. Dass du mich diesen Weg geführt hast und nicht einen anderen: Dafür danke ich dir, Gott, aus meinem tiefsten Herzen.“

Ganz woanders an einem anderen Kamin ein anderer Mensch: Dem kommen ganz andere Dinge in den Sinn. Momente, in denen er versagt hat. Momente, in denen er einen falschen Weg eingeschlagen hat, in denen er Mist gemacht hat. Momente, die er bereut. Tief bereut. Auch er ist bewegt davon, hält sich die Versäumnisse vor. Und sagt zu Gott: „Verzeih mir. Wie konnte ich nur? Meine Schuld lastet auf mir. Es tut mir so leid, was ich getan habe. Gibt es noch einen Weg da raus, dann zeige ihn mir. Bitte! Und ich will tun, was ich kann, um zu heilen, was ich zerbrochen habe.“

Eine solche Geschichte gibt es in Lukas 18, dem heutigen Evangelium. Der Dank-bare ist dort ein Pharisäer, der Geknickte ein Zöllner, der im Tempel vor Gott seine Scham zusammenfasst in dem Satz: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Und über diesen Zweiten sagt Jesus: “Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener.“

Klare Sache, wie es scheint. Wer das Gelungene sieht, seinen Weg damit als besser und sich damit als was Besseres sieht, ist auf dem Holzweg. Wer dagegen seine Fehler einsieht und bekennt, geht gerechtfertigt in sein Haus. Und da ist auch was dran. Vielleicht sollten wir tatsächlich öfter mal unser Versagen vor Gott bringen.

Und dennoch: so schwarz-weiß ist die Welt doch gar nicht! Wir kennen doch auch beide Seiten an uns. Und nur weil ich dankbar bin, sehe ich mich nicht gleich als was Besseres an (wobei, wenn ich ehrlich bin, manchmal vielleicht schon …).

Doch Vorsicht: Wer sich jetzt besser fühlt, weil er seine Schuldgefühle eingesteht, tut letztlich nichts anderes, als sich zu überheben. Die Lösung liegt nicht darin, sich selbst zu geißeln. Sondern darin, Schluss zu machen mit allem Vergleichen.

Besser und schlechter als andere sind wir sowieso alle, kommt nur auf den Bereich an. „An die eigene Nase fassen“, sagt der Volksmund. Und das dann in Gottes Hand legen, sagt unser Text.

Dann wird klar, wie wenig die eigenen „Errungenschaften“ im Angesicht Gottes zählen. Dass wir eigentlich gar nichts vorzuweisen haben, uns stattdessen ganz ver-lassen können – auf Gott. Bei ihm ist niemand besser oder schlechter, sondern alle gleich bedürftig – und gleich geliebt!

Denn Gott nimmt jeden Menschen so, wie er ist. Und er nimmt ihn darin an. Wer das erlebt, wirklich angenommen zu sein, kann Schwächen bekennen und zugleich dankbar sein. Und wenn das dann auch noch auf andere abfärbt – das Annehmen -, um so besser…

Pastor Tessen von Kameke
Zwischenahn

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01.09. N.N. .  
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16.08. Tessen von Kameke (Zwischenahn) Vergleiche hier
09.08. Lars Dede (Zwischenahn) Was gut tut. hier
02.08. Meike von Kajdacsy (Westerstede) An der Nordsee hier
26.07. Wiebke Perzul (Elisabethfehn) Kinder hier
19.07. Meike Bruns (Westerstede) Wieder gemeinsam … Der kürzeste Weg zur Seele hier
12.07. Evelyn Nell (Wiefelstede) Esther im Labyrinth hier
05.07. Ute Thräne (Westerstede) „Herzlich Willkommen“ hier
28.06. Florian Schneider (Friedrichsfehn-Petersfehn) Tootles verlorene Murmeln hier
21.06. Dorothee Testa (Zwischenahn) „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“ (Lk 19,10) hier
14.06.   N.A.
07.06. Gundolf Krauel (Rastede) „Glaube und Hoffnung“ hier
31.05. Tim Rathjen (Zwischenahn) Von Rätseln und Geheimnissen hier
24.05. Petra Maczewski (Westerstede) „Schaut hin!“ hier
17.05. Karsten Peuster (Friedrichsfehn) Christinnen und Christen sind Teilhaber! hier
10.05. Thomas Perzul (Elisabethfehn) Glauben macht Sinn hier
03.05. Achim Neubauer (Edewecht) Es war sehr gut … hier
26.04. Dr. Urs-Ullrich Muther (Oldenburg) „Jubeln tut gut!“ hier
19.04. Birgit Grohs (Rastede) Ostern ist ein Weg hier
12.04. Friedgard Möllmann (Wiefelstede) Erfahrungen mit Ostern hier
05.04. Marco Folchnandt (Westerstede) #7WochenmitallenSinnen hier
29.03. Daniela Ludewig-Göckler (Petersfehn) „Hinaus aus dem Kreis(en)!“ hier
22.03. Stephan Bohlen (Edewecht) Endlich Frühling! hier
15.03. Michael Kühn (Westerstede) „Im Anfang war das Gefühl“ hier
08.03. Katharina Kroll (Zwischenahn) Atem der Hoffnung hier
01.03. Martina Rambusch-Nowak (Rastede) „Ich wurde Clown um zu leben. Von der heilenden Kraft des Humors.“ hier
22.02. Stephan Bohlen (Edewecht) Wintersonne hier
15.02. Inga Kießling (Fehngemeinden, Apen/Augustfehn) Du stellst meine Füße auf weiten Raum hier
08.02. Regina Dettloff (Edewecht) Gottes Wort – Schlüssel zum guten Leben! hier
01.02. Sabine Karwarth (Westerstede) Kunterbuntes für die Seele hier
25.01. Stephan Bohlen (Edewecht) Eine Weg-Geschichte hier
18.01. . N.A.
11.01. . N.A.
04.01. . N.A.
28.12. . N.A.
24.12. Lars Dede (Kreispfarrer) Der Engel sprach zu den Hirten: Fürchtet euch nicht! hier
21.12. Dorothea Herbst (Apen) Es kommt ein Schiff geladen … hier
14.12. Karina Kuzki (Rastede) Wieso man wartet hier
07.12. Kerstin Grusemann-Wahl (Apen) Auf dem Weg nach Bethlehem hier
30.11. Achim Neubauer (Edewecht) Trimmel, Borowski, Lürsen, Faber & co. hier
23.11. Stephan Bohlen (Edewecht) Loslassen … hier
16.11. Dorothea Herbst (Apen) Wenn das Gespräch abgebrochen ist … hier
09.11. Friedrich Henoch (Rastede) Selig sind, die Frieden stiften … hier
02.11. Kerstin Grusemann-Wahl (Apen) Auf der Durchreise hier
26.10. Lina Kohring (Wiefelstede) Im Museum hier
19.10. Christoph Müller (Rastede) Lieblingsorte hier
12.10. Stephan Bohlen (Edewecht) Helles Leben hier
05.10. Eberhard Geier (Edewecht) Offene Straßenkirche hier
28.09. Markus Kohring (Rastede) Driving home for Christmas – mitten im September hier
21.09. Stephan Bohlen (Edewecht) „Blöde Ziege!“ – „Dumme Gans!“ hier
14.09. Sabine Feuerhake (Reekenfeld) Ein gutes Wort zum Herbst! hier
07.09. Kerstin Falaturi (Zwischenahn) Fehler! hier
31.08. Regina Dettloff (Edewecht) Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen hier
24.08. Lars Dede (Kreispfarrer) Vertrauen und Geduld hier
17.08. Holger de Buhr (Westerstede) Wir haben die Wahl … hier
10.08. Evelyn Nell (Wiefelstede) Mit meinem Gott, kann ich über Mauern springen hier
03.08. Peter Tobiassen (Westerstede) Es passiert nichts – hier
27.07. Marianne Brandt (Rastede) Die Frage nach Gott aus dem Homeoffice hier
20.07. Florian Bortfeldt (Idafehn) Von Gottes Segen auf den Lebenswegen hier
13.07. Stephan Bohlen (Edewecht) Kraft für den Alltag hier
06.07. Stephan Bohlen (Edewecht) So eine Zumutung! – von den Herausforderungen des Miteinanders hier
29.06. Heike-Regine Albrecht (Westerstede) „Lobe den Herrn, meine Kehle!“ hier
22.06. Johannes Maczewski (Regionaljugenddienst) Wer geduldig ist, der ist weise .. hier
15.06. Petra Adomeit (Zwischenahn) Geh aus, mein Herz hier
08.06. Stephan Bohlen (Edewecht) #blacklivesmatter hier