„Kindern und Jugendlichen Raum geben“

Silke Meine

Neue Kreisjugendreferentin im Ammerland: Silke Meine

Seit dem 1. Januar 2012 gibt es ein neues Gesicht in der Jugendarbeit der Kirchengemeinde Edewecht: Kreisjugendreferentin Silke Meine ist die Nachfolgerin von Volker Austein. Im Gespräch mit Kark un Lüe stellt Silke Meine sich vor und berichtet von ihren Erfahrungen und Arbeitsschwerpunkten.

Kirchliche Jugendarbeit ist ihr seit langer Zeit vertraut: Gleich nach ihrer Konfirmation hat sich Silke Meine in ihrer Heimatgemeinde Oldenburg-Ohmstede ehrenamtlich in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen engagiert. Dort ist sie auf Konfirmandenfreizeiten mitgefahren, hat Jugendgruppen und Kinderfreizeiten geleitet – gut vorbereitet durch intensive Gruppenleiterschulungen.

Zunächst eine Banklehre

„Ich habe in der Evangelischen Jugend unglaublich viel gelernt – für mich selber, meine eigene Entwicklung”, sagt die 33-Jährige rückblickend. War der Weg als hauptberufliche Jugendarbeiterin vorgezeichnet? Zunächst sieht es gar nicht danach aus: Nach dem Abitur absolviert Silke Meine eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Auch in dieser Zeit ist sie weiterhin in ihrer Kirchengemeinde aktiv. Und so steht nach der Lehre für sie fest: Es muss etwas Pädagogisches sein. Die Oldenburgerin nimmt ein Studium der Diplompädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik/Sozialarbeit an der Universität ihrer Heimatstadt auf.

Die evangelische Jugendarbeit lässt sie auch in dieser Zeit nicht los. Neben den Aktivitäten in der Gemeinde schaut Silke Meine längst über den Tellerrand. Sie engagiert sich in den übergeordneten Selbstvertretungsgremien der Ehrenamtlichen im Kirchenkreis und auf landeskirchlicher Ebene. „In der Evangelischen Jugend“, davon ist sie überzeugt, „geht es auch um die Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen in Kirche und Gesellschaft.”

Jugendarbeit in der Wesermarsch

Da ist es nur konsequent, dass Silke Meine auch im Gemeindekirchenrat mitarbeitet. Von 2000 bis 2006 ist sie Kirchenälteste in Ohmstede. Eine Erfahrung, von der sie als Hauptamtliche profitiert: „Ich weiß, wie ein Gemeindekirchenrat arbeitet und kann dessen Perspektive nachvollziehen”, sagt sie. „Das hilft, wenn es um die konkrete Beratung in Sachen Jugendarbeit vor Ort geht.”

Als die Diplom-Pädagogin ihr Studium abschließt, findet sie eine Anstellung als Kreisjugendreferentin in der evangelischen Jugendarbeit in der Wesermarsch. Für Silke Meine ganz nach Wunsch: „Ich wollte immer gern bei der Kirche arbeiten. Hier kann ich etwas bewegen,” sagt sie.

In der Wesermarsch bleibt sie von 2008 bis zum Wechsel ins Ammerland. Ihre Arbeit dort ist geprägt von den kleinen Landgemeinden; viele Projekte der Jugendarbeit sind auf Kreisebene angesiedelt. Auch dort gibt es für jeden Hauptamtlichen regionale Zuständigkeiten, aber für die Mitarbeiterschulungen etwa ist die Kreisebene zuständig – einer der bisherigen inhaltlichen Schwerpunkte der Kreisjugendreferentin.

Vernetzung bietet Chancen

Im Ammerland läuft das bisher anders. Die großen Kirchengemeinden haben den Kirchenkreis viel weniger im Blick. „Das ist schade, denn da werden auch Chancen verpasst,” wendet Silke Meine ein. Ehrenamtliche profitieren sehr von den Kontakten zu Aktiven aus benachbarten Gemeinden – das weiß sie auch aus ihrer eigenen Erfahrung als Jugendliche. Und gerade die neu gebildete Ammerländer Vollversammlung der Evangelischen Jugend bietet gute Ansätze zur Vernetzung und für gemeinsame Aktionen: „So sind auch Projekte möglich, die eine einzelne Gemeinde nicht stemmen kann,” ist sie überzeugt.

Silke Meine (rechts) mit Imke Winkelmann und Alina Diefenbach bei einer „Konfitüre“-Aktion im Konfirmandenkeller

 

Tatsächlich muss hier auch die Kirchengemeinde Edewecht umdenken. Bereits seit 2009 sind die Hauptamtlichen in der Jugendarbeit nicht mehr in der Gemeinde, sondern landeskirchlich angestellt, und ihre Arbeitsebene ist in erster Linie der Kirchenkreis – natürlich unter starker Beteiligung der Gemeinden. Aber exklusive Zuständigkeiten für die Ortsgemeinde gibt es nicht mehr. Mit diesem neuen Konzept versucht die Landeskirche erfolgreich, mit Einsparungen klarzukommen: Immer weniger Hauptamtliche sollen trotzdem flächendeckend für eine gute Jugendarbeit sorgen. Das geht nur durch die Vernetzung der Kirchengemeinden.

Büro bleibt in Edewecht

Ganz neu ist der Kooperationsgedanke auch für Edewecht nicht. Auch Volker Austein war in den letzten Jahren schon für mehrere Gemeinden zuständig. Und die Kooperation mit der Propstei Bad Gandersheim,  die aus persönlichen Kontakten des bisherigen Stelleninhabers entstand, hat den Wert von Zusammenarbeit schon deutlich gemacht – wenn auch außerhalb der oldenburgischen Kirche.

Und so sieht auch Silke Meine kaum Nachteile, wenn Edewecht sich die Jugendarbeiterin mit anderen Gemeinden und dem Kirchenkreis teilt: „Für Ehrenamtliche liegt in der Vernetzung eine große Bereicherung. Gerade für Jugendliche spielen Gemeindegrenzen nicht mehr die entscheidende Rolle.” Letztlich bleibt sie an Edewecht auch ganz dicht dran, denn ihr Büro wird sie auch weiterhin im Haus der offenen Tür haben.

RdEJ ist wertvoll

Als sehr wertvoll empfindet die neue Jugendreferentin die Arbeit im Rat der Evangelischen Jugend (RdEJ) in Edewecht. Dort findet sie sehr engagierte Ehrenamtliche, die bereit sind, in vielfältiger Weise Verantwortung zu übernehmen. „Es ist gut, Jugendliche darin zu bestärken, ihre Interessen wahrzunehmen und ihnen Orte zu geben, wo sie sich engagieren können”, sagt sie. Darum ist ihr auch wichtig, nun nicht einfach mit der Arbeit loszulegen, sondern gemeinsam mit den Ehrenamtlichen Projekte zu entwickeln und Ideen umzusetzen.

Sie selber hat Erfahrungen in erlebnispädagogischer Arbeit, die sie gern im Ammerland einbringen möchte. Und in Edewecht möchte sie z.B. gern einmal eine „Alltagsfreizeit” anbieten, bei der die Teilnehmenden einige Tage gemeinsam im Gemeindehaus wohnen, von dort zur Schule und zur Arbeit gehen und die Freizeit gemeinsam gestalten. Wie stark sie in die Konfirmandenarbeit einsteigen wird, ist noch nicht entschieden.

Jugendpolitisches Engagement ist für Silke Meine wichtig. So wird sie weiterhin im Vorstand der Ev. Jugend Oldenburg (ejo) und in der Delegiertenversammlung der Ev. Jugend in Niedersachsen mitarbeiten. Praktisches Tun und Interessenvertretung zusammenzubringen, darin sieht sie eine besondere Stärke evangelischer Jugendarbeit.

„Wir können Kindern und Jugendlichen den Raum geben sich auszuprobieren, ihre Gaben zu entdecken, sich zu entwickeln – und ihr Leben und Handeln zum christlichen Glauben in Beziehung setzen”, so beschreibt die Oldenburgerin ihre Erfahrung aus ihrer eigenen Jugendzeit, die sie in ihrer Arbeit weitergeben möchte.

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